Vor drei Jahren (oder eventuell auch fünf) sagte ich einmal, es würde nicht lange dauern. Das Ganze habe ich dann gebetsmühlenartig jedes Jahr aufs Neue wiederholt, bis ich es selbst glaubte. Naja, wie sehr man sich doch irren kann. Jetzt ist jedenfalls die Zeit reif für ein paar jungfräuliche Dinge. Und damit meine ich nicht unbedingt mein Sternzeichen ...

2011/09/14

Geburtstag

Ich bin mir immer sicherer, dass wir alle eines Tages sterben werden. Vielleicht liegt es sogar daran, dass man an seinem Geburtstag – solange es nicht der zehnte ist – genau an diese Tatsache erinnert.
Und wenn man dann daran denkt, dass Politik immer nur die schnellste Abkürzung dahin ist, wohin man selbst niemals oder doch in seinen besten Absichten hinsteuern will, dann ergibt sich plötzlich ein so klares Bild der Welt. Es schmerzt in den Augen, in der Wahrnehmung, in allem, was man sich in den letzten Jahren aufgebaut hat. Zum Glück gibt es den Verrat an der eigenen Art zu leben, die Ignoranz, zu erkennen, wer man ist, wenn man all die Eigenheiten auf ein Minimum herunterreduziert. Dann sehen wir uns endlich wieder klarer und können jene verteufeln, die vielleicht unsere Familie sein könnten, aber die wir in unserer eigenen Arroganz nicht sehen wollen.
Lasst uns doch so weitermachen. Auf den Rest scheißen, den Ausschnitt klein halten. Wen interessieren schon ein paar abgeschnittene Köpfe, wenn man sich selbst in der Toleranz suhlen kann, die einem aufdiktiert wird. Wir wissen ohnehin nicht, dass wir gegen eine Minderheit kämpfen, ebenso wenig wie die Tatsache, dass der Tote in den Nachrichten ein Nachbar, Freund, Bruder oder Kamerad war. Wir leben unser Leben weiter, die alltägliche Frustration gewinnt die Oberhand, der Liebeskummer zerstört uns und wir merken nicht einmal in unserem Grimm, wo wir heute stehen.
Es ist der 11. September 2011, und wir vergessen, Ursache und Wirkung gegeneinander aufzurechnen. Und die dreitausend Seelen und die unzähligen danach fragen uns nicht einmal danach. Sie sind aufgefressen vom Hass. Nichts, was uns fremd ist.
Es ist der 11. September 2011 und wir haben nichts gelernt. Ich bin ein Junge, der nur in die Welt hinausschaut und Ignoranz und Hass sieht. Keiner lernt. Niemand hat das. Wir sind alleine. Möglicherweise geht es gar nicht anders.

http://www.youtube.com/watch?v=xDh_pvv1tUM