Vor drei Jahren (oder eventuell auch fünf) sagte ich einmal, es würde nicht lange dauern. Das Ganze habe ich dann gebetsmühlenartig jedes Jahr aufs Neue wiederholt, bis ich es selbst glaubte. Naja, wie sehr man sich doch irren kann. Jetzt ist jedenfalls die Zeit reif für ein paar jungfräuliche Dinge. Und damit meine ich nicht unbedingt mein Sternzeichen ...

2011/02/08

Los Angeles

Jedes Licht ist zu viel. Ich will sie alle ausschalten, für die Momente löschen, in denen sie uns blenden und von dem ablenken, was wichtig ist. Die Welt draußen hat derweil verstanden. Nacht, Dunkelheit, nur einzelne wabernde Lichtpunkte. Ihr Anblick beruhigt mich, lässt mich tiefer einatmen und bewusst wahrnehmen, was bei mir ist, was man doch so gerne als gegeben ansieht, wenn es das Leben gut mit einem gemeint hat. Liebe, die neben einem läuft, Liebe, die zu oft von einem selbst mit schnellen Schritten überholt wird, wenn man auf der Suche nach Antworten ist. Die jedoch gibt es nicht in leeren Worten oder einer Sicherheit oder in den verführerischen Lichtern der Stadt jenseits des Balkons, auf dem einem der Wind mit den ersten Anzeichen des Frühlings begegnet.

Für mich gibt es nur diese eine Antwort. Eben jene, die ich finde, wenn ich die Küche, die noch schwach nach Zimtschnecken riecht, durchquere, im Flur links abbiege. Dort setze ich mich in Dunkelheit auf die Bettkante, lasse mich von ihren sanften Atemzügen anlocken. Lausche, fühle, verstehe. Ich mache kein Licht, will den Moment nicht zerstören, in dem ich doch endlich begreife, was es bedeutet. Will mich treiben lassen vom Heben und Senken ihrer Brust, das ich undeutlich zu erkennen meine. Es ist, als sei es niemals anders gewesen. Sie. Ich. Die Nacht.

Eine Stadt der Engel.

Friedlich, zerbrechlich, einzigartig, das bist Du, stummes Versprechen einer Zukunft, die ich jetzt endlich sehe. Der Augenblick, in dem ich eine flüchtige Bewegung Deiner Hand bemerke, dehnt sich aus, lässt mich nach ihr greifen. Ich habe nicht aufgehört, sie zu halten, werde es nie.

Nun schlaf, Du wahrhaftiger Engel. Schlaf, und lass Dich behüten und gegen jede Bedrohung, jedes falsche Wort und Verantwortung verteidigen. Kein Leid wird Dir geschehen, wenn ich Dich halte, bis es wieder gut wird und das erste Licht des Tages durch die Vorhänge ins Zimmer fällt.
Deine Hand in meiner. Ich sitze in der Dunkelheit und doch sehe ich. Klarer als jemals zuvor.



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