Ich kann es nicht mehr zurückhalten. Das ist wie beim Vögeln, irgendwann kommt man an den „Point-of-no-Return“, ob man will oder nicht, es schießt aus einem heraus. Und genau das passiert jetzt. Aus einer dummen Fügung heraus habe ich es sehen dürfen: Die Unterschichtenchampionsleague, das dünnflüssig geschissene Häubchen auf der Kackwurst der medialen Welt, das Gehirn zersetzende Ätzmittel des Fernsehens, die miserabel lachhaft inszenierte Nachfolgerin der römischen Gladiatorenspiele. Meine Damen und Herren, die Rede ist von „Deutschland sucht den Superstar“.
Bleibt nur die Frage: Welchen Superstar? Soll es jetzt die Aushilfsschlampe im Köln-Chorweiler-Gedächtnisakzent sein oder doch lieber der so dermaßen hohle Vollasoziale mit der Trottelcape, der höchstwahrscheinlich mit Mühe und Not knapp fünf bis sieben IQ-Punkte von der gesetzlich anerkannten geistigen Behinderung entfernt ist?
‚Was für eine Scheiße’ bleibt mir da nur zu sagen, und eigentlich sollte ich es auch bei diesem einzelnen Ausspruch belassen! Aber, ach weh, Kunst bedarf doch zu oft vieler Worte. Warum sollte ich da eine Ausnahme darstellen?
Beim besten Willen, bei aller Liebe für ein gewisses Maß am schlechten Geschmack, aber was ich eben als Zeuge erleben musste, schiebt jeden anderen Müll seit Erfindung des TV deutlich auf die hinteren Plätze. Herzlichen Glückwunsch, RotzTelevision, herzlichen Glückwunsch, Dieter Bohlen, der Du immer noch nicht begriffen hast, dass es mehr braucht als zwei sich immer wiederholende Akkorde in gefühlten dreihundertachtzig Jahren, um einen Pop-Titan zu schaffen!
Ergötzt euch an den willigen Dollarsklaven, die ihr euch in sinnfreien Castings erschafft, um sie mit immer weiter fortschreitendem Verlauf der Sendung in die groteskesten Outfits zu stecken, die danach aussehen als hätte man Ed Haryds Hirn in den Mixer gesteckt und das matschige und unfassbar schlechte Ergebnis in den Staub einer Zirkusmanege geschissen. Ja, erfreut euch daran, ihr Seelenverkäufer der Kultur, ihr Vergewaltiger jedweder halbwegs unterhaltenden Fernsehgeschichte. Ich würde gerne sagen, irgendwann wird abgerechnet, aber dass Deutschland keine Ahnung von Musik hat, bewiesen spätestens die Nationalsozialisten, die einen ordentlichen Marsch tatsächlich für die Krönung der musikalisch-erbaulichen Unterhaltung hielten. Oder Udo Lindenberg, aber Udo Lindenberg und die Nazis, das ist ohnehin ein und dasselbe. Also hält sich meine Hoffnung auf die ultimative Abrechnung mit euch, ihr fiesen Scheißer, dann doch in Grenzen.
Deshalb noch mal, die herzlichste Glückwünsche und Sieg Heil RTL!
Vielleicht ist das wirklich Schlimme an dieser Farce ist nicht einmal der fehlende künstlerische Anspruch der Sendung, die von sich selbst behauptet, Superstars der Musikszene zu schmieden. Das ist ohnehin so blödsinnig unrealistisch, wenn man sich die ganze Inszenierung schon anschaut, dass es nur der absolut letzte Volltrottel für voll nehmen könnte. Nein, der wirkliche Hammer ist die Ernsthaftigkeit, mit der dieser Unterschichtenfernsehsender das noch dümmere Volk von vorne bis hinten verarscht. Damit meine ich nicht einmal, wer am Ende gewinnt und ob es geschoben wurde. Das interessiert in zwei Wochen doch sowieso keine Sau mehr, obwohl dieser halbseidene Homo, der die über den Äther flimmernde Freakshow seit irgendwann moderiert, bei jeder Staffel in noch größeren Superlativen lallt. Die Gesichter, die Stimmen, die Namen sind austauschbar, vollkommen beliebig. Aber es passt zu dieser widerlich schnelllebigen Gesellschaft, in der sich ohnehin niemand mehr daran erinnert, was vor drei Tagen passiert ist, weil eine neue Unwichtigkeit die Trivialität des Gestern verdrängt hat.
Und so bekommt diese Gesellschaft die Superstars, denen sie gierig entgegen sabbern: Nach abgestandenem Erbrochenem stinkende Bierzeltsänger, die in ihrem ganzen jämmerlichen Sein den Wunsch des „kleinen Mannes“ nach Anerkennung befriedigen und dann auch ohne zu Mosern nach ihren zwei Minuten Ruhm wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwinden. Ganz so wie’s dem Deutschen am liebsten gefällt.
Was mir nur wirklich übel aufstößt, ist die Tatsache, dass RTL seit dieser Nachgeburt von Staffel angefangen hat die genialen Stücke der Trailer-Soundtrack-Macher von „Two Steps From Hell“ zu verwursten. Dafür werde ich ganz sicher irgendwann mit einer abgesägten Schrotflinte im RTL-Headquater Amok laufen. Oder mir die Single des x-ten Siegers von „Deutschland sucht den Superstar“ kaufen. Das Ergebnis bleibt dann eh dasselbe.
Eine fiese Sauerei.
Vor drei Jahren (oder eventuell auch fünf) sagte ich einmal, es würde nicht lange dauern. Das Ganze habe ich dann gebetsmühlenartig jedes Jahr aufs Neue wiederholt, bis ich es selbst glaubte. Naja, wie sehr man sich doch irren kann. Jetzt ist jedenfalls die Zeit reif für ein paar jungfräuliche Dinge. Und damit meine ich nicht unbedingt mein Sternzeichen ...
2011/05/08
Deutschland sucht ... gar nichts
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