Vor drei Jahren (oder eventuell auch fünf) sagte ich einmal, es würde nicht lange dauern. Das Ganze habe ich dann gebetsmühlenartig jedes Jahr aufs Neue wiederholt, bis ich es selbst glaubte. Naja, wie sehr man sich doch irren kann. Jetzt ist jedenfalls die Zeit reif für ein paar jungfräuliche Dinge. Und damit meine ich nicht unbedingt mein Sternzeichen ...
2010/03/27
"You ...
Gute Nacht, Restwelt. Oder das, was noch übrig geblieben ist, während der Rest unter lautem Getöse um mich herum zusammen brach. Fuerteventura ist ganz schön nah. Oder mindestens doch der Flughafen Hannover. Frei nach dem Motto: Erst nach der Katastrophe können wir alles neu aufbauen.
http://www.youtube.com/watch?v=jZsHNkAJBDU
Wir lesen uns morgen wieder. Die Nacht hat ein ganz anderes Gesicht gerade. Bitter-süß.
2010/03/26
Vom Baum hüpfende Küken in der anbrechenden Nacht
Die Nacht beginnt. Es ist eine von vielen. Selbst wenn ich mich anstrenge, kriege ich die Anzahl der bisherigen Nächte nicht einmal ansatzweise zusammen gerechnet. Wen interessiert es überhaupt? Jede Nacht ist ein neuer Anfang, bringt es dann also was, wenn man sie addiert und sich fragt, wie oft man von vorne begonnen hat? Sinnlos. Die Dinge erneuern sich auch ohne unser Zutun, dafür hat die Welt (oder wer auch immer) schon gesorgt.
Erneuerung.
Absolution.
Für Dich oder mich?
Draußen zieht das Leben seine Bahnen, Lieben entstehen und zerbrechen in einem einzigen Brei aus Emotionen, dem ersten Hauch des Frühlings und der Gewissheit, dass alles einen Sinn macht, selbst wenn man ihn nicht findet. Es muss ja so etwas wie den großen Plan geben, den jemand in der Hinterhand hält, um uns damit eines Tages ganz miese zu überraschen. Zumindest hoffe ich das.
Ich stelle mir vor, was jetzt in den vielen einzelnen, ganz persönlichen Universen passiert, die da draußen in der Welt vor sich hin toben. Es bleibt beim Versuch, das Ganze zu erfassen und es in Bilder zu packen, damit ich mir sicher bin, dass ich nicht alleine bin mit all den Empfindungen, Hoffnungen und Ängsten. Man könnte annehmen, dass bei so vielen Kosmen doch irgendwo ein Urknall zu finden sei, aber sonderbarerweise erübrigt sich das gerade.
Jeden Tag springt ein Küken vom Baum und beginnt ein neues Leben. Irgendwo in der Welt, andauernd. Das ist zumindest der Anfang vom großen Plan.
Ich warte einfach drauf. Irgendwo knallt es immer (der Nahe Osten könnte uns da echt ein Lied von singen), wieso also nicht in meinem Universum. Eines fernen, schönen Tages … ja, ja. Und solange es noch nicht soweit ist, lasse ich mich einfach von der Nacht mittragen. Ihr kann man nicht entkommen, diesem alles umfassenden Zustand, der Menschen einander näher bringt und zugleich auseinander reißt. Die Nacht ist einfach und schert sich einen Scheiß um den Rest. Ein beruhigender Gedanke. Alles macht einen Sinn. Aber bitte schickt mir den großen, ganzen Plan bitte als pdf. Da der nämlich ganz bestimmt unverschämt lang ausfällt, liest es sich so sehr viel einfacher.
Tom Rensing ...?
Glaubt man den einschlägigen Internetforen, Revolverblättchen und anderen Hellsehern, dann werkelt der FC an einem Nachfolger für unseren Dinosaurier im Tor Faryd Mondragón. Das ist jetzt nicht unbedingt überraschend, immerhin ist der Gute mittlerweile achtunddreißig und das ist selbst für einen Torwart recht biblisch.
Viel überraschender sind die Reaktionen auf die gehandelten Namen. Ein Tom Starke vom MSV Duisburg würde recht gerne als Neuzugang gesehen werden, wohingegen der Herr Rensing das personifizierte Unglück ist.
Hallo?!
Rensing mag ja in der Vergangenheit manchmal nicht besonders gut ausgesehen haben, aber woher diese stellenweise fast schon fanatische Ablehnung kommt, kann ich mir nicht erklären. Man nenne mir einen fehlerfreien Torwart oder eben einen, auf den derzeit so geprügelt wird, wie auf den armen Kahn-Erben a.D.
Mein Rat an Rensing: Geh nach England. Such dir einen kleinen Premier League-Club, genieße die Atmosphäre und sei Dir vor allem gewiss, dass du da bestimmt nicht negativ auffällst. Das liegt aber nicht daran, dass in England schlechtere Torhüter unter Vertrag stehen (was man hierzulande ja gerne behauptet). Nein, liebe Freunde. Das liegt daran, dass die da drüben anscheinend nicht so fanatisch jeden Fehler aufbauschen, den man als Keeper mal fabriziert. Abgesehen von irgendwelchen Aussetzern in Qualifikationsspielen für europäische Wettbewerbe ...
Wir beim FC behalten einfach unseren Mondragón und holen Ron-Robert Zieler von ManUniteds Reserve zurück. Der ist U20-Nationalspieler, kommt aus unserer Jugendabteilung und wäre einem Wechsel zurück an den Rhein laut Interview nicht abgeneigt.
Also?
Nagel auf den Kopp
Dieses Jahr werde ich dreißig. Wenn man das so trocken stehen lässt, hat das wirklich was Beängstigendes, klingt nach Torschlusspanik und dem Ende aller Unschuld. Letztens saßen wir in einer Männerrunde zusammen, in der fast alle diese magische Zahl schon überschritten haben, nur ich nicht. Recht bald kam das Gesprächsthema dann eben auf das Alter der Alpha-Tierchen, was dem allgemeinen Tonfall doch irgendwie etwas Depressives verpasste. Als ich mir das anhörte, musste ich echt annehmen, dass am 11. September 2010 der Sommer per Gesetz abgeschafft werden würde. Nichts brächte mehr Spaß, zuhause wartete die mürrische Olle, den erotischen Höhepunkt gäbe es nur noch im Stripschuppen.
Um ehrlich zu sein, wurde mir ein klein wenig Ungut zu Mute. Ich begann auf meinem Platz hin und her zu rutschen und mich an einen anderen Ort zu wünschen. Natürlich war das Schwachsinn, immerhin habe ich keine langweilige Frau, die auf mich zuhause wartet und besonders alt fühle ich mich auch nicht. Trotzdem fiel mir da ganz schleichend etwas anderes ein …
Als ich noch jung und knackig war (seht ihr, ich fange auch schon so an!), spielte ich Fußball und das sogar recht gut und erfolgreich. Es kam zu Auswahlspielen, einem Probetraining bei einem größeren Club und den ersten Überlegungen meines Vaters, dass der Jüngste eventuell mal damit Geld verdienen könnte. Im letzten Eintrag hier sagte ich ja schon, dass ich die Dinge schleifen lasse, wenn ich mir zu sicher bin und genau das trat ein. Fußball wurde langweilig für mich, ich ließ es links liegen, bis ich irgendwann ganz aufhörte. Rückblickend keine gute Idee, aber nicht mehr zu ändern. Aber HÄTTE ich und WÄRE es gut gelaufen …
Gott verdammt noch mal, meine Karriere wäre zu diesem Zeitpunkt fast vorbei!
Wenn ich da zu lange drüber nachdenke, dann sehe ich ständig Mehmet Scholl vor mir, mit seinen wenigeren Haaren und den deutlicheren Falten, der den Platz im Mittelfeld gegen den im Fernsehen tauschte. Klar, Scholli ist ein bisschen älter, aber ich wäre nicht mehr weit davon weg genauso zu enden. Ein Lebensabschnitt vorbei, der andere beginnt. Das Tolle daran wäre ja, dass ich Kohle bis zum Abwinken hätte! Blackjack & Nutten für alle! Golfspielen mit dem Kaiser und Boris Becker auf irgendeiner blöden Party anpöbeln. Es wäre also der Himmel vorgezogen. Und das alles noch mit über dreißig. Worüber beschweren sich meine Kumpels eigentlich? Wo besteht der genaue Unterschied zwischen einem Vollrausch mit zwanzig und einem mit fünfunddreißig, abgesehen davon, dass der letztere ein wenig länger in den Knochen hängen bleibt? Eben. Es gibt keinen.
Deswegen lasse ich meinen Geburtstag einfach auf mich zukommen. Statistisch gesehen kann es ja auch nur besser werden als bisher. Aber irgendwie frage ich mich, wie alt der gute Mehmet war, als er seine große persönliche Krise erlebte und ob ich sie dementsprechend noch vor oder hinter mir habe. Ist das eine Frage des Alters oder des Berufes? Hm. Mal schauen, ob ich seine Telefonnummer herausfinde.
Newsflash
Und ganz nebenbei hat sich Kevin Pezzoni beim Training verletzt. Subtotaler Innenbandabriss. Klingt kompliziert, klingt schmerzhaft. Scheiße. Einer weniger, der gegen Hannover bereit ist.
FC-Fan sein heißt eben die meiste Zeit der Saison zu leiden. Deshalb leiden wir mit dir, Kevin. Alles Gute von dieser Stelle aus.
Wenn wir doch alle könnten, wie wir wollten ...
Gedankenexperiment:
Nehmen wir an, es gäbe keine Eifersucht. Und nehmen wir gleichzeitig an, Verlustängste oder Besitzansprüche gehörten der Vergangenheit an. Alle würden die Dinge einfach geschehen lassen (Tyler Durden würde es ‚let the chips fall where they are’ nennen). Keine Eheszenen mehr, weil eine Telefonnummer auf der Rechnung erscheint, die die Frau nicht kennt, keine Prügeleien mehr in Clubs, weil zu eng getanzt wurde. Niemand würde mehr zum Alkoholiker mutieren, wenn er seine Partnerin im Bett mit einem anderen Mann erwischte, weil der Skatclub wegen Krankheitsfällen ausfiel und die nüchterne Heimkehr zu früh ausfiel. Und spinnen wir die Sache noch weiter – Putin würde sich nicht mehr daran erinnern, wo Süd-Ossetien überhaupt liegt, keine Taliban, keine Bombardements von irgendwas. Wir würden gelassen durch die Welt tänzeln und die Linken wären arbeitslos, weil niemand mehr dem anderen die zweihundert Flocken mehr im Monat neidet. Wäre das nicht eine bessere Welt?
Ich frage mich, wie der Tagesablauf des durchschnittlichen Mittzwanzigers dann aussähe. Morgens raus, ab unter die Dusche und rein in die Klamotten. Zur Arbeit (oder eben nicht. Uni, Praktikum, tauscht es aus), arbeiten, arbeiten, arbeiten. Denken, ja, aber nur zielgerichtet, kein Abschweifen mehr. Nach Feierabend geht es zurück nachhause. Es gibt Essen, die Tagesschau, ein Feierabendbier. Routinesex. Kinder, Cord-Jacket, Haus, Hund, die schlimme Kurzhaarfrisur der frischgebackenen Mama … alles nimmt seinen Lauf.
Moment! werden die meisten schreien. Da fehlen aber noch ein paar Dinge, junger Mann! Was ist mit Parties, dem ersten mühevollen Werben um die große Unbekannte, das Blumenbesorgen, obwohl man nur mithilfe eines Pflanzenbestimmungsbuches den Unterschied zwischen Rose und Nelke erkennt? Der erste Kuss, so zart und neu, dass man Angst hat zu versagen und als Idiot dazustehen, der das Küssen erst auf der Uni gelernt hat (die man erst seit zwei Wochen besucht, womit sich die Kenntnisse dann arg in Grenzen halten). Gemeinsame Pläne, leidenschaftlich geschmiedet und meistens später sowieso an die Wand gefahren. Vielleicht fragt ihr euch, warum ich die zitternden Hände am Schwangerschaftstest vergesse, kurz bevor sich entscheidet, ob Abby ein Wunschtraum bleibt oder teure Realität wird. Schreit es heraus: Wo bleiben all die emotionalen, mitreißenden Dinge des Lebens, die es erst lebenswert machen?
Und ich sage euch, sie wären nicht mehr da.
Warum? Weil alle Leidenschaft, so kommt es mir zumindest verdammt oft vor, aus der innersten Angst geboren wird, das zu verlieren, was man liebt oder was einem wichtig ist (großer Unterschied). Anders gesagt: Ich interessiere mich immer nur dann für etwas, wenn ich das Gefühl habe, es könnte mir unter dummen Umständen aus der Hand gleiten. Bin ich mir meiner Sache zu sicher, dann werde ich fahrig oder gleichgültig. Alles plätschert dahin. Es ist mir egal, was für eine Unterwäsche meine Freundin trägt, wenn ich genau weiß, dass sie sich ohnehin nie für den Nachbarn interessieren würde. Dann fange ich an auf der Couch zu sitzen und den Tatort mit ganz anderen, sehr viel interessierten Blicken zu schauen. Und kaum ist der dumme Abspann vorbei und Sabine Christiansen fängt an (oder wie heißt die neuerdings?), wundere ich mich noch, warum niemand darüber mäkelt, dass meine Unterhosen im Bad verstreut liegen. Dann ist sie weg. Ich bin zu gleichgültig geworden. Ich war mir zu sicher.
Wenn es Jesus tatsächlich gegeben hat, dann wage ich einmal die Prognose, dass ihm die Passion eben genau deswegen so beschissen hart vorkam, weil er genau wusste, er würde etwas verlieren. Immerhin war er ja nur ein Mensch, also musste er wohl auch an seinem Leben gehangen haben. Und das Problem kennen wir sicherlich alle irgendwie.
Also habe ich für mich selbst festgestellt, dass Eifersucht eine tolle Erfindung der Natur ist. Mein Gedankenexperiment verläuft dementsprechend im Sand. Ich sage mir, wenn ich mich um etwas bemühe, dann ist es mir wichtig. Ich will es nicht verlieren und nehme dabei all die kleinen, bösen, miesen, abgefuckten Nadelstiche gerne in Kauf, die da kommen, wenn ich an einige Dinge denke, die Du machen könntest. Ende der Durchsage.
Das Problem ist nur folgendes: Wie kriege ich die gesunde Mischung aus Sicherheit gepaart mit Eifersucht und Verlustangst hin? Hat hier irgendjemand die Patentmischung am Start? Kommt schon, die bauen einen privaten Raumtransporter, erfinden den FC Barcelona und Lionel Messi, entwickeln die Atombombe und Pläne, sie wieder abzuschaffen. Da muss doch von irgendwo ein Lichtlein … nein, falsches Lied.
In solchen Fällen gibt es kein Licht, das von irgendwo her leuchtet. Hier leuchtet gar nichts. Wenn man sich in der Eifersucht verfängt, dann steckt man halstief in der Scheiße. Und die ist bekanntlich eher dunkel.
Welche Optionen man dann noch hat, weiß ich nicht genau. Wenn man etwas wahrhaftig liebt, dann hat man den Hang dazu, es fester zu packen als man sollte. Dass das am Ende meistens in der Katastrophe endet, ignoriert man geflissentlich. Hauptsache man hat das, was ist und sich gut anfühlt für immer um sich. Und wenn man es zerquetscht? Dann fühlt sich die Nacht einsamer an als sie wahrscheinlich ist. Wie jetzt.
Und so sitze ich dumm herum, frage mich, ob ich es übertrieben habe oder ob ich am Ende einfach nur leidenschaftlich lebe. Sobald ich die Antwort gefunden habe, lasse ich es euch wissen. Je nachdem, wie es ausgeht, patentiere ich das dann einfach, schreibe einen Ratgeber und werde ganz emotionslos reich. Hat ja auch was.
2010/03/24
Ab in die Qualifikationsphase
Ich weiß ja nicht, ob das Wort Re-Relaunch überhaupt existiert, aber es passt in dem Zusammenhang eigentlich ganz gut. Nach dem ersten und zweiten Versuch folgt dann nun hier der dritte. Hoffentlich mit einem etwas kontinuierlicherem Erfolg, was jedoch letztlich nur an mir selbst liegt.
Es geht also ums Geschriebene ohne jede genretechnischen Grenzen. Worüber ich dann tippen werde, lässt sich am ehesten mit einer Wundertüte vergleichen. Unsinn, Ernsthaftes, Liebe, Fußball (also Liebe), Hass (also Fußball), medialem Erbrochenen, Musik – kurzum: Ich werde abhandeln, was mich bewegt, interessiert oder eben nicht. Ich werde damit bestimmt nicht immer den Geschmack der meisten Leute treffen, aber darauf habe ich ja ohnehin noch nie besonders viel gegeben.
Wer sich also angesprochen fühlt, den lade ich ein, regelmäßig vorbei zu schauen, zu lesen (ja, es wird etwas geben, Kinder), zu kommentieren (hier herrscht natürlich willkürliche Zensur) und einfach nur ein wenig unterhalten zu werden.
Ich hoffe, ihr helft mir nach und nach dabei, jungfräuliche Ecken in eurem und meinem Hirn mit allerhand Input zu füttern. Um nichts anderes geht es nämlich. Ein Geben und Nehmen, meine Damen und Herren. Ich bin optimistisch, dass uns das gelingen wird.
Ach ja. Bayern führt gegen Schalke in der Verlängerung des DFB-Pokalhalbfinals. Und nein, ich fange jetzt nicht an darüber zu jammern, dass ein Zweitligist meinen FC eine Runde vorher rausgeschmissen hat. Man lernt irgendwann stumm zu leiden.
Also bis bald!
-Lars