Vor drei Jahren (oder eventuell auch fünf) sagte ich einmal, es würde nicht lange dauern. Das Ganze habe ich dann gebetsmühlenartig jedes Jahr aufs Neue wiederholt, bis ich es selbst glaubte. Naja, wie sehr man sich doch irren kann. Jetzt ist jedenfalls die Zeit reif für ein paar jungfräuliche Dinge. Und damit meine ich nicht unbedingt mein Sternzeichen ...

2010/03/26

Nagel auf den Kopp

Dieses Jahr werde ich dreißig. Wenn man das so trocken stehen lässt, hat das wirklich was Beängstigendes, klingt nach Torschlusspanik und dem Ende aller Unschuld. Letztens saßen wir in einer Männerrunde zusammen, in der fast alle diese magische Zahl schon überschritten haben, nur ich nicht. Recht bald kam das Gesprächsthema dann eben auf das Alter der Alpha-Tierchen, was dem allgemeinen Tonfall doch irgendwie etwas Depressives verpasste. Als ich mir das anhörte, musste ich echt annehmen, dass am 11. September 2010 der Sommer per Gesetz abgeschafft werden würde. Nichts brächte mehr Spaß, zuhause wartete die mürrische Olle, den erotischen Höhepunkt gäbe es nur noch im Stripschuppen.
Um ehrlich zu sein, wurde mir ein klein wenig Ungut zu Mute. Ich begann auf meinem Platz hin und her zu rutschen und mich an einen anderen Ort zu wünschen. Natürlich war das Schwachsinn, immerhin habe ich keine langweilige Frau, die auf mich zuhause wartet und besonders alt fühle ich mich auch nicht. Trotzdem fiel mir da ganz schleichend etwas anderes ein …

Als ich noch jung und knackig war (seht ihr, ich fange auch schon so an!), spielte ich Fußball und das sogar recht gut und erfolgreich. Es kam zu Auswahlspielen, einem Probetraining bei einem größeren Club und den ersten Überlegungen meines Vaters, dass der Jüngste eventuell mal damit Geld verdienen könnte. Im letzten Eintrag hier sagte ich ja schon, dass ich die Dinge schleifen lasse, wenn ich mir zu sicher bin und genau das trat ein. Fußball wurde langweilig für mich, ich ließ es links liegen, bis ich irgendwann ganz aufhörte. Rückblickend keine gute Idee, aber nicht mehr zu ändern. Aber HÄTTE ich und WÄRE es gut gelaufen …
Gott verdammt noch mal, meine Karriere wäre zu diesem Zeitpunkt fast vorbei!

Wenn ich da zu lange drüber nachdenke, dann sehe ich ständig Mehmet Scholl vor mir, mit seinen wenigeren Haaren und den deutlicheren Falten, der den Platz im Mittelfeld gegen den im Fernsehen tauschte. Klar, Scholli ist ein bisschen älter, aber ich wäre nicht mehr weit davon weg genauso zu enden. Ein Lebensabschnitt vorbei, der andere beginnt. Das Tolle daran wäre ja, dass ich Kohle bis zum Abwinken hätte! Blackjack & Nutten für alle! Golfspielen mit dem Kaiser und Boris Becker auf irgendeiner blöden Party anpöbeln. Es wäre also der Himmel vorgezogen. Und das alles noch mit über dreißig. Worüber beschweren sich meine Kumpels eigentlich? Wo besteht der genaue Unterschied zwischen einem Vollrausch mit zwanzig und einem mit fünfunddreißig, abgesehen davon, dass der letztere ein wenig länger in den Knochen hängen bleibt? Eben. Es gibt keinen.

Deswegen lasse ich meinen Geburtstag einfach auf mich zukommen. Statistisch gesehen kann es ja auch nur besser werden als bisher. Aber irgendwie frage ich mich, wie alt der gute Mehmet war, als er seine große persönliche Krise erlebte und ob ich sie dementsprechend noch vor oder hinter mir habe. Ist das eine Frage des Alters oder des Berufes? Hm. Mal schauen, ob ich seine Telefonnummer herausfinde.

Keine Kommentare: